Liebe LeserInnen,
im Mai ist nicht viel passiert was es zu berichten gäbe. Es gab einige Nachfragen bezüglich unseres Klosterkonzepts, die aber nicht nachhaltig verliefen.
Bei unseren Treffen im Mai waren keine neuen Gesichter zu sehen.
Die verbliebenen Freundeskreismitglieder zahlen treu ihre Beiträge, wofür ich ihnen herzlich danken möchte. Durch die derzeit geringen Ausgaben sparen wir an für das Landkloster.
Die Suche nach einem geeigneten und bezahlbarem Grundstück mit oder ohne Haus geht weiter. Der Verein hat mir für diesen Zweck in der Jahreshauptversammlung im April die Alleinvertretungsberechtigung für rechtliche und geschäftliche Verträge erteilt.
Maria und ich schinden uns mit unserem Bio-Discounter, der leider nach hoffnungsvollem Anfang nicht so richtig in Gang kommen will und uns viel Frustrationstoleranz abverlangt.
Auf meinem Weg zur Arbeit und zurück nach Marzahn mit der Straßenbahn komme ich dankenswerterweise viel zum Lesen. Und so ziehe ich schon mal ein Buch aus dem Regal, welches ich zu lesen begann, aber nicht zu Ende brachte.
So fiel mir das Buch „Von der Gelassenheit – Lebensziel und Weg“ von Dieter Voigt und Sabine Meck in die Hand. In einem der Leserbriefe hatte ich dieses 176-Seiten-Büchlein schon mal vorgestellt.
Am Ende findet sich im 4. Kapitel der Abschnitt: „Üben Sie Gelassenheit in allem, was Sie denken und tun“.
Nicht dass ich mich über mangelnde Gelassenheit beklagen möchte, aber bei der derzeit aussichtslosen beruflichen und klösterlichen Lage schenkte mir dieser Artikel hier und da Bestätigung für diesen oder jenen Inhalt oder diese oder jene Praxis auf meinem Übungsweg.
Die Autoren unternehmen den Versuch, 10 Hinweise, wie sie es nennen, für eine sprituelle Lebenspraxis auf dem Weg zur Gelassenheit aufzuzeigen.
Ich zitiere jeweils den ersten Satz der 10 Abschnitte, um einen plakativen Überblick zu bekommen:
„1. Bringen Sie Ihre Wertstruktur in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Ethik.
2. Suchen Sie innere Ruhe.
3. Leben und üben Sie Achtsamkeit, bleiben Sie immer im Augenblick bei allem Tun, beim Denken, bei allen Wahrnehmungen und Gefühlen.
4. Üben Sie Konzentration, das Ausrichten auf einen Punkt, einen Gedanken, einen Ton, einen eng begrenzten Sachverhalt oder auch auf eine Person.
5. Geben Sie Liebe und Nächstenliebe und prüfen Sie die Motive.
6. Entwickeln Sie Ich-Stärke.
7. Erkennen Sie, was Gefühle (Emotionen) sind, wie sie entstehen, wie sie in uns wirken und schließlich, dass es in unserem Ermessen liegt, ob bzw. in welchem Maß sie Macht über uns gewinnen.
8. Meistern Sie ihr alltägliches Leben.
9. Leben Sie Demut und Dankbarkeit.
10. Herzlichkeit ; Humor, Lächeln, Lachen, Freude.“
Auf dem Rückweg von der Arbeit, nachdem Tag für Tag die Umsätze nicht stiegen, dachte ich manchmal, ob es nicht besser wäre, alles hinzuschmeißen. Da knüppelt man täglich 11 Stunden und am einzigen freien Tag, dem Sonntag, sitzt man noch vor den Ordnern und bringt die Buchführung auf den aktuellen Stand. Und zum Eigentlichen kommt man gar nicht mehr.
Und dann war es bei diesen schönen 10 Anleitungen ausgerechnet der nüchterne Punkt 8, der es mir angetan hat und den ich jetzt vollständig zitieren möchte:
„8. Meistern Sie ihr alltägliches Leben. Der sprituelle Weg ist kein Ersatz und keine Kompensation für gescheiterte Lebensführung. Vielmehr setzt er die Bewältigung der praktischen Aufgaben, die vor jedem Individuum stehen, voraus. Das sind u.a. das Verinnerlichen der ethischen Grundwerte; Grundtugenden, wie Leistungsbereitschaft, Fleiß, Sparsamkeit, Disziplin und Mut; Streben nach Bildung, Erziehung, Wissen und Arbeit, das Lernen der Kulturtechniken; Bemühen um das Gelingen sozialer Bindungen.
Das aktive Leben, insbesondere die Arbeit, sollte in allen Bereichen und Situationen als spirituelles Übungsfeld genutzt werden. Das dient auch dem Meistern der Anforderungen, die jeder Tag neu stellt.“
Da ist es wieder, das Karma-Yoga, wie es die Inder nennen. Das Eigentliche zu dem ich in meinen Gedanken nicht glaubte zu kommen, ist die Bewältigung meines gegenwärtigen Alltags. Eigentlich weiß ich es, aber auch mir rutscht es bei all den Widerwärtigkeiten des derzeitigen Lebens einfach mal weg. Und so waren die Gedanken dieser beiden Hochschullehrer in der Straßenbahn eine echte Rückbesinnung und Auferbauung in diesen ziemlich schweren Tagen.
Ich möchte den beiden Autoren danken und den Lesern dieses Büchlein nochmals empfehlen, denn die anderen 9 Hinweise enthalten ebenfalls viel Nachdenkenswertes. (ISBN 978-3-8367-0655-1)
Also packen wir es an!
In diesem Sinne, Euer Br. Johannes