Liebe LeserInnen!
nun widme ich mich 14-tägig jeweils an einem verlängertem Wochenende dem äußeren Aufbau des Klosters Rittgarten.
Aber bevor ich darüber Näheres berichte, möchte ich Rückschau halten und Euch etwas über mein Leben in den 7 vergangenen Jahren erzählen:
Im Jahre 2004 verließ ich die Uckermark, um konsequenter den Weg des Loslassens zu gehen. In der Krypta des Franziskushofes Zehdenick, ereilte mich beim Gebet vor dem Tabernakel der “Ruf”, alles Bisherige aufzugeben und an diesen Ort zu gehen, ein Obdachlosenprojekt der Alt-katholischen Kirche, welches vom Franziskanerbruder Thaddäus geleitet wurde.
Obwohl ich als Vegetarier nie auf diesen “Schlachthof” wollte, denn es wurden dort nicht nur Tiere gehalten, sondern auch reichlich geschlachtet und gegessen, konnte ich mich der inneren Stimme nicht entziehen. Sogleich kündigte ich an der Freien Schule Prenzlau, wo ich als Sozialpädagoge angestellt war. Aus Rücksicht auf die schwierige Personalsituation machte ich das Schuljahr voll und zog am 1. Juli 2004 auf den Franziskushof mit all den unschönen Konsequenzen, die mir kräftig zu schaffen machten.
Am 3.Juli kam es zusammen mit Bruder Frank, den ich dort kennen lernte, zur Einkleidung. Damals nahm ich als Franziskaner den Namen Bruder Johannes an nach dem Vorbild des heiligen Johannes vom Kreuz, einem spanischen Mystiker des 16. Jahrhunderts. Schon ein halbes Jahr später verließen wir aufgrund krimineller Machenschaften von Bruder Thaddäus, in die wir nicht mit hineingezogen werden wollten, den Hof und zogen uns für gut 2 Monate ins evangelische Gethsemanekloster Goslar zurück.
Dort gründeten wir die Kommunität Meister Eckhart, gaben uns eine Regel und legten am 12.Juni 2005 unsere erste Profess (Versprechen) in der Krypta des ehemaligen Zisterzienserklosters ab.
So der Wortlaut des 1.Versprechens: “Ich, Bruder Johannes, verspreche vor dir, Bruder Frank, dem Abt unserer Kommunität, und allen zukünftigen Brüder, vor allen Heiligen und Erleuchteten und meinem Meister Jesus, für ein Jahr arm, gehorsam und keusch in der Kommunität Meister Eckhart zu leben.”
Unsere Kommunität war nach der damaligen Regel auf zölibatär lebende Männer begrenzt, und sie hatte eine hierarchische Struktur. Bruder Frank war der erste Abt unserer kleinen Kommunität. Dieses Versprechen galt für ein Jahr und wurde Pfingsten 2006 und an der Tagundnachtgleiche 2007 wiederholt. Allerdings schafften wir die Abtstruktur ab und ersetzten sie durch eine Ratsstruktur, die heute noch gilt. Die älteste Räterepublik San Marino, die ich vor einigen Jahren besuchte, stand Pate für dieses Modell. Die reine Männerkommunität wurde auf eine Frauen- und Männergemeinschaft erweitert.
Ende 2007 verließ Bruder Frank die Kommunität. Ich überarbeitete die Regel und ließ die jährliche Profess fallen. Ein Versprechen ist nichts wert, wenn es zu jeder Zeit gebrochen werden kann. Dann ist es besser man versucht in der Gegenwart sich ganz zu leben und Veränderungen, wenn sie für den einzelnen stimmig sind, zu jedem Zeitpunkt als Option zuzulassen.
Zwei emeritierte Hochschul- Professorinnen, die eine Fachfrau für Psychologie und Pädagogik, die andere Islamwissenschaftlerin, beide damals Mitglieder unseres neue gegründeten Freundeskreises, begleiteten mich bei der Erneuerung der Regel und setzten hier und da kräftig den Rotstift an, machten aber auch ganz konkrete Änderungsvorschläge.
Im Februar 2007 gründete sich der gemeinnützige Verein Meister Eckhart mit der Zielsetzung, ein interreligiöses Kloster aufzubauen und zu unterhalten. Der interreligiöse Aspekt wurde neu in den Blick genommen. So veränderte die kritische Nachfrage, wie denn eine rein zölibatäre Gemeinschaft Juden und Muslime integrieren könne, da diese Religionen keine zölibatären Lebensformen kennen, die Regel dahingehend, dass jetzt auch Paare aufgenommen werden. Nun dürfen beide Wege innerhalb einer Gemeinschaft gelebt werden.
Die Regel ist auf unserer Webseite in voller Länge zu lesen. Sie umfasst nur ein Din-A4- Blatt, doppelseitig beschrieben.
Nachdem wir das Gethsemanekloster voll Dankbarkeit gegenüber den dort lebenden Brüdern verließen, führte unser Weg zum evangelischen Landesbischof Beste nach Schwerin. Der Versuch, ein evangelisches Pfarrhaus in Mecklenburg als Kommunität zu beziehen, scheiterte jedoch am Unvermögen dieses, aber auch meines altkatholischen Bischofs Vobbe. Ein katholisches Kloster in einer evangelisch geprägten Landschaft? Das ging für den evangelischen Landesherrn nicht. Nur, wo ist die Landschaft bei 18,4% Kirchenmitglieder noch evangelisch geprägt? Erstaunlich, diese Realitätsferne.
Und mein zuständiger Bischof, so in seiner Mail an uns, fühlte sich mit unserm Anliegen überfordert. Einfach ohne seine Zustimmung ein Kommunität gründen und ein Abt benennen und dann Zen als religiöses Praxis in dieser Gemeinschaft… das war zu viel.
Also schrieben wir alle evangelischen Landeskirchen und kontemplativen Klöster an, ob sie an unserem Weg interessiert wären und für uns einen Ort zum Leben kennen. Eine Nonne meldete sich, die uns ihr altes Bildungshaus anbot, in dem aber umgehend die Heizung für 100.000,-€ saniert werden müsste. Wir dachten mehr an einen der vielen leer stehenden Seitenflügel der oft riesigen und gering besetzten alten Klosteranlagen.
Und das Kirchenamt der damals noch amtierenden Landesbischöfin Käsmann meldete sich. Warum es nicht zu einem Ergebnis kam, habe ich vergessen.
So gründeten wir unser erstes Landkloster als Zeltkloster auf dem Regenbogenhof der Bio-Gärtnerei Hermsdorf in Augustfelde, wo wir für Kost und Logis arbeiteten. Augustfelde ist übrigens das Nachbardorf des heutigen Klosterstandorts Rittgarten.
Es war Sommer. Aber bald wurde es feucht und kalt in den Zelten und dem Campingwagen.
Wie es weiter ging, beschreibe ich dann im nächsten Freundesbrief.
Herzlichen Dank für die Spenden und Beiträge, die in diesem Monat eingegangen sind.
Einen guten Herbstanfang und eine gute Tagundnachtgleiche am 23. September wünscht Euch
Euer Bruder Johannes